Seebach: „Wir erwarten eine deutliche Mengensteigerung“
Andreas Seebach, Gründer und Geschäftsführer der bmp greengas GmbH, über Produkte und Entwicklungen auf dem Biomethanmarkt.
E&M: Herr Seebach, welche Rolle kann Biomethan im Rahmen der Energiewende spielen?
Seebach: Biomethan wird als Energieversorgungsträger eine zentrale Rolle im Konzert der Erneuerbaren einnehmen, weil er grundlastfähig und speicherbar ist. Es kann zu Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in Städten oder Wohngebäuden transportiert werden, wo die Wärme hundertprozentig genutzt wird. Gleichzeitig kann bedarfsgerecht Strom erzeugt werden, der die fluktuierende Stromeinspeisung aus Windkraft und Sonne ausbalanciert. Der Paradigmenwechsel in der Energieversorgung wird nur stattfinden, wenn viele dezentrale Anlagen in der Fläche aufgebaut und energieautonome Zellen geschaffen werden, zwischen denen der Lastausgleich stattfindet.
E&M: Der Biomethanmarkt kommt nur langsam in Schwung. Wie spüren Sie das auf Ihrer Handelsplattform?
Seebach: Wir werden 2011 ein Handelsvolumen von rund 300 GWh Biomethan erreichen, die gleiche Menge schlagen wir zudem über Dienstleistungen im Bereich Bilanzkreis-Management um. Für das nächste Jahr erwarten wir eine deutliche Mengensteigerung. Als Systemvorlieferant für grüne Energieversorgung konzentrieren wir uns auf KWK-Anwendungen und gehen daher auf Stadtwerke und Energieversorger, aber auch auf Planer und Ingenieurbüros zu. Gerade die Umstellung von Erdgas-Blockheizkraftwerken – die nach sechs Jahren beziehungsweise 30.000 Betriebsstunden aus der KWK-Förderung herausfallen – auf den Betrieb mit Biomethan, lässt sich wirtschaftlich meist gut darstellen.
E&M: Welche Produkte haben Sie im Angebot?
Seebach: Wir stellen Biomethan ausfallsicher in verschiedenen Qualitäten bereit: Biomethan aus organischen Abfällen oder aus nachwachsenden Rohstoffen sowie Biomethan mit oder ohne Technologiebonus in Höhe von einem oder zwei Cent. Neben den Gasen, die im Rahmen des EEG 2009 hergestellt werden, haben wir zusätzlich noch das komplette Gasportfolio 2012. Die so genannten Reststoffgase sind als Beimischprodukte sehr gefragt und gehen daher auch in den Tankstellen-Markt. Nawaro-Produkte werden fast ausschließlich in KWK-Anlagen eingesetzt. Bei vielen Planern, die sich mit Kraft-Wärme-Kopplung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes beschäftigen, findet derzeit ein Umdenken statt. Das EEG ist mit der Markt- und Flexibilitätsprämie zwar nicht einfacher geworden. Unstrittig ist aber, das es neue Chancen bietet. Da es immer mehr Erdgasfahrzeuge gibt, wird auch die Nachfrage nach Biomethan als Treibstoff anziehen. Eine Zunahme sehen wir auch im Handelsgeschäft mit Einmal- und Spitzenmengen. Wir sehen es als unsere Aufgabe, gerade dieses, noch nicht liquide, Marktsegment zu unterstützen.
E&M: Was muss geschehen, damit Biomethan eine größere Bedeutung im Wärmemarkt bekommt?
Seebach: Die Nachfrage aus dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz ist zwar vorhanden, wird aber nicht den gewünschten Durchbruch mit sich bringen. Auch in Baden-Württemberg war der Anschub sehr klein. Da genügend Biomethan im Markt vorhanden ist, sollte man Ökogas noch viel intensiver in das Bewusstsein der Menschen bringen. Ähnlich wie beim Ökostrom ist ein Preisaufschlag durchaus gerechtfertigt. Zumal sie einen Biomethananteil von 5 bis 10 Prozent heute schon zu marktähnlichen Konditionen beimischen können. Natürlich wird ein Beimischprodukt wahrgenommen und auch gekauft – wenn es ein Energieversorger auflegt und Werbung dafür macht. Aber von alledem findet noch viel zu wenig statt.
E&M: Ab Jahresanfang 2012 gilt das novellierte EEG. Welche Auswirkungen erwarten Sie für den Biomethanmarkt?
Seebach: Wir haben zwei Effekte: Zum einen stellt das EEG 2012 neue Anforderungen an die Anlagentechnik und den Substratmix. Das bedeutet, dass der Anlagenbau sowie die Betriebskosten teurer werden. Dadurch haben wir für neue Anlagen im Vergleich zum EEG 2009 tendenziell höhere Produktionskosten. Auf der anderen Seite haben wir ein Förderinstrument, das für Biomethan geringfügig höhere Vergütungssätze bietet. Eine Übergangsregelung sieht zudem vor, dass auch Bestandsanlagen EEG 2012-kompatibles Gas anbieten können. Daher sind wir in einer Übergangsphase mit Mengen auf dem Markt konfrontiert, die im Rahmen des alten EEG 2009 produziert werden – also ohne Maisdeckel und mit einer günstigeren Anlagentechnik. Das führt dazu, dass die von der Branche erhoffte Preisentwicklung nach oben ausbleibt. Vielmehr findet eine Seitwärts- oder gar eine Abwärtsbewegung statt und durch die stagnierenden Preise geraten die neuen Produkte unter Druck. Deswegen ist es auch so schwierig, neue Biomethanmengen für Neuanlagen zu verkaufen. Wenn die 2009er-Biomethanmengen verkauft sind, wird sich aber sicher ein neues Preisniveau einstellen.
E&M: Das neue EEG sieht eine getrennte Bilanzierung der Einsatzstoffe vor. Steigt damit die Zahl der Biomethan-Produkte?
Seebach: Die vom BMU forcierte restriktive Auslegung des EEGs zur Bilanzierung der Gasmengen aus verschiedenen Einsatzstoffklassen führt theoretisch dazu, dass jede Biogasanlage ihr individuelles Biogas produziert. Mischprodukte können wir aber nicht verkaufen. Daher wird ein politischer Dialog einsetzen, um wieder zum ursprünglichen Ziel zurückzukehren: Nämlich dass Einsatzstoffe verschiedener Einsatzstoffklassen in einer Biogasanlage gleichzeitig vergärt werden dürfen und die Gasmengen dann je nach Herkunft der Einsatzstoffklasse separat bilanzierbar und verkaufbar sind. Die Eigenschaften der produzierten Gase müssen unbedingt getrennt handelbar sein, damit bedarfsgerechte Kundenprodukte entstehen und die gewollte Marktentwicklung auch wirklich stattfindet. Zum anderen soll dem Betreiber durch das EEG 2012 mit den neuen Einsatzstoffklassen mehr Flexibilität im Anlagenbetrieb eingeräumt werden. Eine Mischbilanzierung würde dazu führen, dass Händler nur das Gas einer Einsatzstoffklasse nachfragen und die vorgesehene Öffnung der Einsatzstoffe im Anlagenbetrieb faktisch nicht stattfinden kann. Dieses ist vom Gesetzgeber sicherlich nicht gewünscht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Lösungen dafür gefunden werden.
E&M: Stichwort „power to gas“: Was halten sie davon, überschüssigen Ökostrom in Speichergas umzuwandeln?
Seebach: Das ist ein spannendes Thema – gerade mit Blick auf die künftig dezentrale Energieversorgung. Zudem haben Biomethaneinspeiseanlagen einen sehr hohen CO2-Überschuss, den man für die Methanisierung gut gebrauchen kann. Und Strom, der mit erneuerbaren Energien erzeugt und ins Netz eingespeist wurde, kann auch wieder erneuerbar entnommen werden. Die Einspeise- und Entnahmeregeln wurden mit dem EEG 2012 auf so genanntes Speichergas ausgeweitet. Im Detail gibt es aber noch Klärungsbedarf. Unabhängig davon sehen wir Indizien, dass sich die Technologien zur Holzgas-Produktion weiterentwickeln und künftig auch wirtschaftlich umsetzen lassen. Beides sind Biomethanquellen, die wir die nächsten Jahre nicht außer Acht lassen werden.
Zur Person:
Dr. Andreas Seebach ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der bmp greengas GmbH in München. Das Unternehmen konzentriert sich auf Handel, Bilanzkreisführung, Zertifizierung und Beratung im Biomethanmarkt und ist seit Ende 2006 im Biomethanhandel aktiv. Auf einer unabhängigen Handelsplattform werden Biomethanmengen von verschiedenen Erzeugern gebündelt, um diese den Abnehmern, nach Menge und Qualität strukturiert, bereitzustellen. Seebach ist darüber hinaus Geschäftsführer der Projektierungsgesellschaft RES Projects GmbH. Als anerkannter Fachmann auf dem Gebiet Biomethan wirkte der promovierte Wirtschaftsingenieur unter anderem an der Novellierung des EEG 2009 sowie der Gasnetzzugangsverordnung mit.
bmp greengas ist ein bundesweit tätiger Händler und Dienstleister mit Fokus auf den Biomethanmarkt. Das Unternehmen spezialisiert sich seit Beginn der Einspeisung von Biomethan in das Erdgasnetz Ende 2006 auf Handel und Dienstleistungen rund um das Thema Biomethan und ist heute ein führender Dienstleister im Biomethanmarkt.
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